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Lieber Norbert,
am 30. März diesen Jahres hast Du Deinen letzten Atemzug getan und obwohl ich wie viele andere wusste, dass es bei Deiner schweren Krankheit nur eine Frage der Zeit sein wird, kam es dann doch sehr plötzlich - aber Deine Zeitpläne hast Du ja schon immer selbst bestimmt!
Wenn ich an Dich denke, dann tauchen Bilder und verschiedene Begegnungen auf, wir haben uns kennen gelernt im September 1991 bei unserem gemeinsamen Abschlussseminar der Psychodrama Ausbildung im Moreno Institut Stuttgart. Wir waren in Schaffhausen und schon damals beschäftigte Dich die Frage des "nächsten Schrittes" - wie soll Dein Weg aussehen, den Du gehen willst. Unser beider Weg, auch wenn er sehr unterschiedlich gelaufen ist, hat uns dann ins Psychodrama Institut für Europa geführt, in dem wir beide eine neue psychodramatische Heimat gefunden haben, und ich weiß, dass Dir dies sehr wichtig war. Du wolltest klar haben, wo gehörst Du hin, wie kannst Du Dich verwirklichen und was kannst Du einbringen. Und so war es dann auch nur folgerichtig, dass Du nach kleinen Schritten, dann die Funktion des 1. Vorsitzenden in PIfE-Deutschland übernommen hast. Du hattest Visionen, mitunter zu viele, aber denen bist Du immer treu geblieben.
Wir haben immer wieder Gelegenheiten gehabt zu reden - meist spätabends oder nachts bei gutem Wein und Zigaretten - und dabei manch Deiner Visionen und Pläne konkretisiert oder verworfen. Du wolltest immer alles gleich und sofort, egal wer mitziehen konnte oder nicht, wenn nötig hast Du es eben allein gemacht. Um mit Dir in inhaltlichen Einklang zu kommen, musste man sich auf Dein Tempo einlassen - das war nicht immer ganz einfach, aber Du konntest andere mitreißen und motivieren, neue Türen öffnen und zur Mitarbeit einladen, was Du auf den letzten MVs ja auch deutlich gezeigt hast. Du hast deutlich sichtbare Spuren hinterlassen!
Wir waren nicht immer einer Meinung, besonders wenn es um Deutschland und Europa ging, aber wir konnten gut miteinander streiten, denn es ging Dir immer um die Sache und nie um die Person, das habe ich Dir immer hoch angerechnet, und das hat unsere Basis stabil gehalten. Deine Alleingänge konnte ich nicht immer gutheißen, aber mir gegenüber warst Du stets offen für Kritik. Genauso konnten wir viel lachen, spontan verrücktes tun oder einfach nur den Moment genießen. Mit Dir war immer irgendwie was los, Ruhephasen schienen selten zu sein.
Deine Krankheit hat dem allen ein Riegel vorgeschoben, aber natürlich hast Du - wenn es Dir möglich war - immer noch an Deine Verantwortung als Vorsitzender gedacht und uns Gedanken mit auf den Weg gegeben. Du wirst mir und anderen fehlen, die Bilder von Dir werden bleiben - gerade weil ich für mich sagen kann: Du bist viel zu früh gegangen!
Dein Bernd
im April 2010